Überlebenswille-Header
Berechnen Sie Ihren aktuellen Wechselkurs
Folgen Sie uns auf Facebook

ÜberLebensWille

Andreas Zimmermann Live-Reportage von
Evelyne Binsack

Background

Was ist Willenskraft? Für Evelyne Binsack war das bis vor ein paar Jahren keine Frage. Sie hatte sie einfach. Sie setzte sich Ziele und erreichte Sie. Keine Wand der Alpen, auch nicht die des Eigers, war vor der Bergführerin sicher. Sie war wild, entschlossen, leidenschaftlich. 2001 stand sie als erste Schweizerin auf dem Gipfel des Mount Everest.
Was Willenskraft ist, zeigte sie der Welt, als sie im Herbst 2006 zu einer ungewöhnlichen Expedition aufbrach: Von Innertkirchen im Berner Oberland bis an den Südpol. Nach 484 Tagen erreichte sie, am Erschöpfungstod vorbeigeschrammt, das Ziel. Und danach war sie, wie sie erst später feststellte, ein anderer Mensch.
Sie merkte es, als sie 2010 in den Himalaya zurückkehrte und einen 8000er mit dem schönen Namen "Gasherbrum II" besteigen wollte: "Am Berg verweigerte mein Körper die Bereitschaft für Extremleistungen. Mir fehlte absolut die Freude. So fest, dass ich nicht einmal mehr verstand, warum die anderen auf den Gipfel wollten. Meine innere Kraft, die Willenskraft, die mich bis dahin nie im Stich gelassen hatte, war plötzlich weg."
Für Evelyne Binsack war es ein Schock, der sie völlig unvorbereitet traf. Was ist Willenskraft? Plötzlich stellte sich die Frage. Und Evelyne Binsack verfolgte sie. So reifte die Idee, dem Thema ein Dokumentarfilm zu widmen. Ein Jahr lang erlernte sie in Hollywood das Handwerk des Filmemachens, um anschliessend dorthin zurückzukehren, wo sie wusste, dass sie Antworten auf ihre Fragen finden würde…

Berg der Berge

Mount Everest: Es ist der Ort, wo sich jedes Jahr hunderte von Menschen aus der ganzen Welt, zwischen März und Juni in dessen Basislager versammeln. Sie alle haben das gleiche Ziel: Der Gipfel des höchsten Berges der Welt. Alle Mount Everest-Anwärter wissen: Der Berg fordert jedes Jahr seine Opfer. Der Berg tötet. Doch der häufigste Grund für die Todesursache am Everest ist der Mensch selbst: Verausgabung bis zum Letzten.
Wer also sonst, wenn nicht die Menschen, die sich über die Todesrisiken ihres Zieles bewusst und dennoch bereit sind  alles dafür zu geben, wissen besser Bescheid über die Kraft, die sie antreibt?
Evelyne Binsack kauft sich eine höhen- und kältetaugliche Filmkamera und entgegen aller Regisseuren-Regeln bricht sie ohne Drehbuch zum Mount Everest auf. Sie begegnet vor Ort eindrücklichen Menschen mit noch eindrücklicheren Lebensgeschichten.
Da ist zum Beispiel der erfolgreiche und charismatische Londoner Banker David. Bis vor kurzem wusste nicht einmal seine Ehefrau, dass er als kleiner Bub sexuell missbraucht wurde. Das Seelenleben des inzwischen 51-jährigen mündete in einer Spirale abwärts. Inzwischen klettert David zum fünften Mal auf den Mount Everest und sammelt mit jeder Besteigung grosse Summen Geld, um eine Institution zu unterstützen, die sexuell missbrauchten Kindern hilft.
Oder da ist Rochelle aus Neuseeland. Ihr Ehemann scheiterte zweimal am Everest. Danach starb er an Krebs. Rochelle hat sich in den Kopf gesetzt, mit der Asche ihres verstorbenen Mannes auf den Gipfel zu klettern: „Ihre letzte gemeinsame Reise“, wie sie sagt.
Eine spezielle Beziehung hat Evelyne Binsack zu Yangjee aufgebaut. Die 28-jährige Sherpanin aus dem kleinen Himalaya-Dorf Khumjung ist besessen davon, auf den höchsten Berg der Welt zu steigen, um in die Fussstapfen ihres Vaters zu treten: Als 13-jähriges Mädchen sah sie ihren Vater das letzte Mal: Das Familienoberhaupt arbeitete als Höhenträger am Everest und kehrte nie mehr nach Hause zurück. Der Berg hatte ihn getötet. Doch Yangjee bleibt das Ziel verwehrt. Ihr fehlt das Geld. Und als Frau wird sie nirgends eine Anstellung als Höhenträgerin finden.
Doch was ein Film über andere hätte werden sollen, mündet letztlich auch in einer eigenen Geschichte: Im berüchtigten Khumbu-Eisfall gerät die Filmemacherin in eine Eislawine, die sie nur mit viel Glück überlebt. Der eisige Schneestaub füllt allerdings ihre Lungen. Zwei Wochen später sind Evelyne‘s Bronchien so stark entzündet, dass sie weiss: Wenn sie weitersteigt, bezahlt sie den Gipfel mit ihrem Leben.
Später schreibt Evelyne in ihr Tagebuch:  "Gibt es ein gutes Scheitern? Ich glaube Ja. Zu wissen, dass ich nicht mehr hätte geben können als ich gegeben habe, zu wissen, dass ich vor mir selbst meinen besten Kampf gekämpft habe, gibt mir das Vertrauen in die Kraft, die wir Willenskraft nennen. Doch der ÜberLebensWille ist stärker…"

›››› Diese Show ist auch auf DVD erhältlich

Himalaya

Neu: Gedächtnisspiel ÜberLebensWille