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Es ist schon eine verrückte Idee, 3500 Kilometer zu Fuss zurückzulegen, bei Wind und Wetter, mit 25 Kilogramm am Rücken. Wir erlebten den wohl nässesten und kältesten Sommer aller Zeiten. Nasse Füsse und ein immer knurrender Magen waren unsere treuen Begleiter. Die physische und psychische Belastung, vor allem durch die Witterungsbedingungen, machten den Weg oft zur Tortur. Aber das Verrückteste an allem ist: Wir würden es wieder tun!
Diese Geschichte nimmt aber einige Jahre früher ihren Anfang. Wir schreiben das Jahr 1988. Ich war mit meinem Kanu unterwegs, ganz alleine, 1500 Kilometer, von Dawson City (Kanada) nach Tanana (Alaska). Es war der 7. September und die ersten Herbsstürme zogen über den Yukon. Der Wind türmte die Wellen gefährlich hoch auf und die Gischt spritzte mir ins Gesicht. Zwei Mal konnte ich mit Not ein Kentern meines Kanus vermeiden und ich hatte das Gefühl um mein Leben zu paddeln. Am späteren Nachmittag fand ich ein verlassenes Fishcamp der Athabasken-Indianer. Es war mit dem Namen Elsie Pitka angeschrieben und machte keinen besonders einladenden Eindruck. In meiner momentanen Lage war es aber genau das Richtige. Am wärmenden Lagerfeuer konnte mir das einsetzende Schnee- und Hagelwetter nichts mehr anhaben und ich fühlte mich rundum glücklich und wohl. Beim Herumstöbern fand ich ein altes vergilbtes "National Geographic"-Magazin mit einem Bericht über den Appalachian Trail. Und genau seit jenem Abend liess mich die Idee, diesen legendären Weg zu laufen, nicht mehr los...
Unterdessen sind einige Jahre ins Land gezogen. Meine Freundin Ursula und ich sitzen in Atlanta vor dem Mariott Hotel und warten auf Larry Banister, einen Taxifahrer, mit dem wir uns hier verabredet haben. Er soll uns zu den Amicalola Falls fahren, wo der Appalachian Trail beginnt. Es regnet in Strömen und Ursula hätte am liebsten den Termin unseres Startes auf besseres Wetter verschoben. Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen konnten: Der ganze Sommer blieb nass und kalt. Alleine im Juni zählten wir 26 Tage Regen!
Wir warten, aber Larry kommt nicht. Wahrscheinlich ist er wegen diesem Sauwetter nur verspätet, denken wir. Plötzlich fährt ein Taxi vor, der Fahrer steigt aus und sagt: "Ich bin hier um euch abzuholen". "Sind sie Larry Banister?", frage ich. "Nein, aber Larry schickt mich. Er hat leider keine Zeit, selber zu kommen". Ursula ist schon drauf und dran ihr Gepäck einzuladen. Ich halte sie aber zurück. Die ganze Geschichte scheint mir faul zu sein, hatte ich doch erst gestern Abend mit Larry telefoniert und auch schon einen fixen Preis ausgehandelt. "Wo sollen Sie uns denn hinbringen?" frage ich den Fahrer. "I drive you whereever you want" erklärt er. Aha, der Schlaumeier hat gesehen, wie wir vor dem Hotel warten und hofft nun, ein Geschäft zu machen. Nun gut, sagte ich: "Hier ist Larry's Telefonnummer. Entweder wir rufen ihn jetzt an oder gehen gleich zusammen zum Manager dieses Hotels..." Da beeilt er sich plötzlich, sich überschwenglich zu entschuldigen und ruft Larry auf eigene Kosten an, um sich zu erkundigen wo er steckt. Es stellt sich heraus, dass Larry nur vergessen hat, seinen Wecker auf Sommerzeit umzustellen, und so ist er nach weiteren 20 Minuten des Wartens endlich zur Stelle.
Die 70-Meilen-Fahrt erscheint uns endlos zu sein, vor allem weil das schlechte Wetter nur eine Höchstgeschwindigkeit von 20 mph zulässt. Kaum beim Visitor Center der Amicalola Falls angekommen lässt der Regen nach und die Sonne drückt durch, was sich schlagartig auf unsere Stimmung auswirkt.
![]() 2. April 2000, 1. Tag, Amicalola Falls (GA) |
Unsere Ausrüstung:
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Wir schreiben uns in der Rangerstation ein und machen bei der Rubrik "Thruhiker" ein Kreuzchen. Die Federwaage vor dem Haus zeigt für meinen Rucksack 25 kg an, für denjenigen von Ursula 19 kg. In Anbetracht der scheinbar vielen Lebensmittel und der umfangreichen Kameraausrüstung finde ich dies nicht all zu schlecht. Wir richten ein letztes Mal unser Gepäck, und da der Nachmittag schon ziemlich fortgeschritten ist, beschliessen wir, nur 1,2 Meilen zu wandern, bis zur Amicalola-Lodge, wo es auch einen Campingplatz hat. Der Weg ist sehr steil und felsig, da er ja die Klippe des Wasserfalls überwinden muss. Auf halber Strecke erreichen wir einen Weg, welcher zu einer Aussichtsplattform führt. Ein Wasserfall von oben ist in der Regel nichts Spektakuläres. So auch in diesem Fall. Für uns ist es aber eine günstige Gelegenheit eine Pause einzulegen, ohne zugeben zu müssen, wie erschöpft wir schon sind...
Wir richten uns auf dem Camping ein, geniessen ein üppiges Mahl und eine letzte Dusche und verkriechen uns dann in unseren Schlafsäcken. Morgen früh gehts dann richtig los.
Ein ohrenbetäubender Knall reist uns aus unseren Träumen, die Erde scheint zu beben, grelles Licht blendet die Augen - ein Gewitter wie wir es noch nie erlebt haben. Sintflutartig ergiessen sich die Wassermassen aus dem Himmel. Blitz und Donner in endlosen Kaskaden. Bald schon ist unser Zelt am zusammenbrechen. Ich stürze mich raus und bin in Sekundenbruchteilen völlig durchnässt. Die Heringe sind aus dem Boden gespült, schwimmen in grossen Pfützen. Ich demontiere die Feuerstelle und bringe das Zelt mittels grossen Steinen wieder zum Stehen. Das Unwetter scheint ewig zu dauern. Der Regen hört erst gegen Morgen wieder auf. Nachdem das Zelt nun wieder steht schläft Ursula herrlich weiter. Ich dagegen tue praktisch kein Auge mehr zu. Das Positive am Ganzen: Das Zelt hat den ersten Härtetest bravourös üeberstanden. Im Innern blieb alles trocken.
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Frisch gestärkt mit Müesli und Kaffee gehts gegen 10 Uhr Morgens endlich weiter. Das Zelt wiegt wegen der Nässe mindestens ein Kilogramm mehr. Ich habe das Gefühl jedes Gramm einzeln auf meinen Schultern zu spüren. Die Landschaft ist in feinen Nebel gehüllt und ab un zu nieselt es ein wenig. Der Wald ist noch kahl und grau und hinterlässt bei diesem Wetter einen geradezu mystischen Eindruck. Es macht Spass endlich unterwegs zu sein. Dank unseren Regenponchos kann uns das Wetter nichts anhaben. Gemütlich legen wir die 6.1 Meilen bis zur Black Gap Shelter zurück. Aus dem Hüttenbuch erfahren wir, dass am heutigen Tag weitere 16 Hiker vor uns auf dem Trail sind. Die nächste und übernächste Hütte werden wohl ziemlich überfüllt sein, denken wir. So kommt es, dass wir uns schon um 14 Uhr für die nächste Nacht einrichten.
Ausserdem wollen wir das Ganze ja langsam angehen. Wir sind nämlich ohne jegliches Training in dieses Abenteuer gestartet, und erst zwei Tage vor unserem Abflugtermin konnten wir die gesponsorten Schuhe bei Raichle in Kreuzlingen abholen. Also nur nichts übertreiben am Anfang. Auch Relaxen und Nichtstun kann schön sein. Vor allem werden es uns unsere müden Muskeln danken.
Gegen Abend verschlechtert sich das Wetter. Die Wolken verfärben sich von grau zu grau-schwarz, bis hin zu einem hässlichen gelb-schwarz. Und bald darauf entlädt sich wieder ein heftiges Gewitter über unseren Köpfen. Doch diese Nacht in der sicheren Hütte schlafe ich herrlich. Ich bemerke nichts von Ursulas Kampf mit den Mäusen, welche uns unserer Lebensmittel berauben wollen. Mit Ausnahme eines angeknabberten Fladenbrotes konnte Ursula weiteren Schaden abwenden. Mir war dann schnell klar, wozu all die Schnüre dienen, welche von der Decke hängen, und welche mit einer leeren "Öffnung-nach-unten-Konservendose" bestückt sind. Ab jetzt hängen wir unser Essen mäusesicher auf!
Nach 1.5 Meilen erreichen wir den Springer Mountain. Wir sind nun den dritten Tag unterwegs und haben den offiziellen Startpunkt des Appalachian Trails erreicht. 2167.1 Meilen liegen noch vor uns. Auf dem Weg zum Gipfel setzte eisiger Wind und Schneetreiben ein. Rasch tragen wir uns mit klammen Fingern ins Gipfelbuch ein und verlassen diesen ungastlichen Ort.
Am Abend des sechsten Tages erreichen wir Neels Gap. Soweit sind wir 39.5 Meilen gelaufen. Ich betrachte unsere Faltkarte des gesamten Trails. Darauf beträgt die Luftlinie vom Start zum Ziel ungefähr 105 Zentimeter, und wir haben bis jetzt gerade Mal 15 Milimeter geschafft. Immerhin, bis Neels Gap hat nach Statistik schon 1/3 aller Gestarteten aufgegeben. Wir aber sind immer noch dabei.
Nach sechs Tagen endlich eine Dusche und ein feines Essen... Auf dem Gipfel des Blood Mountain scherzte ein Hiker, welcher sich "Grasshopper" nannte, er bestelle unten schon Mal die Steaks und das Bier für uns. Der Gedanke daran verlieh uns Flügel und auf dem ganzen Weg nach unten lief uns das Wasser im Mund zusammen. Doch nun dies: Neels Gap sieht verlassen aus, alles ist dunkel, nirgends ist ein Licht, nirgends eine Menschenseele zu sehen. Die Eingangstür zum kleinen Lebensmittelladen gibt nach, lässt sich öffnen. Auch drinnen ist kaum etwas zu sehen. Plötzlich löst sich ein Schatten aus dem Hintergrund, bringt "Licht" ins Dunkel respektive Antworten auf unsere Fragen. Seit Tagen ist der Strom ausgefallen, deshalb gibts keine warme Dusche, kein leckeres Essen und auch das Hostel bleibt geschlossen. Die nahe gelegene Lodge ist ausgebucht und in die 13 Meilen entfernte Stadt wollen wir nicht. Die Aussicht die Nacht im Zelt zu verbringen bringt unsere Stimmung auf einen absoluten Tiefstpunkt, denn schon braut sich das nächste Gewitter zusammen. Immerhin, im Lebensmittelladen können wir noch einige Leckereien ergattern...
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Typische Shelter auf dem Trail |
Wir überstehen die nächste Nacht problemlos, obwohl mir bei diesen heftigen Gewittern nie wohl zumute ist. Die grösste Gefahr im Wald ist nämlich, von einem umstürzenden Baum erschlagen zu werden. Mir geht die Geschichte durch den Kopf von dem Mann, dessen Bein unter einem riesigen Baumstamm eingeklemmt war. Mit dem Taschenmesser hat er den völlig zertrümmerten Unterschenkel abgetrennt und sich dann in die nächste Ortschaft gerettet...
Gestern Abend haben wir unsere Lebensmittel absolut "Bärensicher" zwischen zwei Bäumen aufgehängt, genau so, wie es in jedem Survivalbuch steht. Allerdings zeigte sich heute, dass dieses System für stürmische Bedingungen völlig ungeeignet ist. Das Seil war zerfetzt und unser Essen lag auf dem Boden. Wenigstens sind die Mäuse bei diesem Sauwetter auch in ihren Löchern geblieben.
Wir packen unsere Sachen zusammen und marschieren ziemlich erwartungslos Richtung Hostel. Dort hat sich schon eine Reihe Hiker angesammelt, nämlich all jene Glücklichen, welche gestern in der Lodge Unterschlupf gefunden haben. Ich glaube, nach dem gestrigen Tag, ist unsere Frustrationsschwelle schon enorm gestiegen. Auf jeden Fall stören uns die Schwärmereien von ihren Fressorgien nicht gross. Viel mehr freuen wir uns, dass die Stromversorgung wieder funktioniert. Nach einer warmen Dusche, dem Erledigen der Wäsche und dem Verzehr einiger Kalorienbomben sind wir auch mental wieder bereit für den nächsten Abschnitt.
Die folgenden Tage sind kühl, oft auch mit Regenschauern durchzogen, die Nächte sind eisig. Wir ziehen es vor im Zelt zu übernachten, da es darin viel wärmer ist, als in den offenen Hütten. Unsere Schlafsäcke taugen etwa bis etwa +5°C. Mit Minustemperaturen haben wir jedoch nicht gerechnet. Vor allem Ursula hat Mühe mit der Kälte. Mit ihren steifgefrorenen Fingern ist sie ausserstande beim Auf- und Abbau des Camps oder beim Kochen behilflich zu sein. Schon der Gedanke daran, am nächsten Morgen wieder eine Schicht Eis vom Schlafsack abklopfen zu müssen erfüllt sie mit Ekel. Zum Glück ziehen die Temperaturen etwas an und wir geniessen auch einige sonnige Tage. Allerdings erleben wir selten 24 Stunden ohne Regen.
In diese Anfangsphase fallen auch unsere ersten «Trail Magic»-Erlebnisse. Ganz besonders in Erinnerung geblieben ist uns dabei die Begegnung mit dem Baptistenpfarrer Richard aus Knoxville. Zum ersten Mal begegneten wir ihm am Woody Gap (Mile 20) wo er uns mit Orangensaft und Cookies verwöhnte. Vier Tage später finden wir ihn wieder am Unicoi Gap (Mile 50,7). Er lädt uns ins Städtchen Helen ein, wo er uns bei Wendy's mit Hamburger, Pommes Frites, Coke und Eiscrème durchfüttert. Er meint, er mache uns eine spezielle Freude, weil Helen seiner Meinung nach so ausschaut wie ein typisches Schweizerdorf: Alle Chalets sind im Stil von Schwarzwälder Kukucksuhren erbaut. Mehr Kitsch geht nicht. Aber scheinbar wurde Helen dadurch zu einer echten Touristenattraktion. Auf jeden Fall, das Essen war toll und während des Gesprächs kommen wir auch noch dem Geheimnis des «Trail Magic» auf die Spur.
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Nach dem Essen bringt uns Richard zum Trail zurück. So vollgestopft wie wir sind kommen wir kaum noch den Berg rauf. Ausserdem sind wir so salzhaltige Mahlzeiten nicht mehr gewohnt, so dass wir fast verdursten. Also schlagen wir schon nach wenigen Meilen an einer schönen Stelle Namens Cheese Factory unser Lager auf.
Am nächsten Morgen stehen wir früh auf und sind um 9.30 Uhr unterwegs. Es ist unglaublich. Mühelos erklimmen wir die Berge. Die geballte Energie von Hamburgern und Pommes Frites steckt in unseren Beinen. Ich glaube, gestern haben wir, zum ersten Mal seit neun Tagen, erstmals wieder genügend Kalorien zu uns genommen. Wir schaffen die 12,5 Meilen bis Dicks Creek Gap in Rekordzeit. Beim Abstieg Richtung Strasse entdecken wir von Weitem eine orange Kühlbox. Und was bedeutet das wohl? Genau, Richard ist wieder da. Mehr als die Kühlbox können wir jedoch nicht ausmachen. Hat Richard wohl wieder einige Hiker nach Helen eingeladen? Wir machen uns erst Mal über die Kühlbox her und geniessen Coke und Cookies. Als Richard immer noch nicht erscheint beschliessen wir per Anhalter in die nächste Ortschaft zum Einkaufen zu fahren. Wir stehen noch keine zwei Minuten am Strassenrand, als ein uns wohlbekanntes Gefährt anhält. "Hi Richard, how are you doing?" Uns hat er nun wirklich nicht schon wieder erwartet. Rasch sind die Rucksäcke eingeladen und die Fahrt geht los - 11 Meilen nach Hiawassee, wo wir für eine Nacht in einem Motel Unterschlupf finden.
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Per Anhalter zum Einkaufen |
Nach einem leckeren «All you can eat»-Buffet bei Daniel's nehmen wir uns bei einem kühlen Bierchen die Zeit ein erstes Mal Bilanz zu ziehen. Zwei Dinge sind ziemlich klar: Unsere Rucksäcke sind viel zu schwer und unsere Tagesrationen an Kalorien viel zu gering. Während diesen ersten zehn Tagen schienen unsere Fettreserven dahinzuschmelzen wie Schnee an der Sonne. Wenn wir nicht gerade durch «Trail Magic» verwöhnt wurden, fühlten wir uns oft müde und kraftlos. Jeder Schritt wurde zur Qual, jeder Berg zur Tortur. All unsere Gedanken drehten sich nur um eines: ESSEN! Wenn wir wirklich einen «Thruhike» schaffen wollen müssen wir handeln und zwar jetzt! Ein erstes Paket mit überflüssigen Kleidern und Ausrüstungsgegenständen geht zurück in die Schweiz. Überzählige Filme schicke ich postlagernd voraus. Aus den Informationen von Trail Angels und anderen Hikern wissen wir, dass Mitfahrgelegenheiten zum Einkaufen problemlos zu erhalten sind. So beschliessen wir nur noch für drei bis maximal vier Tage Lebensmittel mitzuführen, dafür aber grössere Rationen. Und eines sind wir uns sicher: die nächste Langdistanzwanderung werden wir im Ultraleichtmodus umsetzen!
Hier zwei Buchtipps zum Ultraleicht-Wandern: Lightweight Backpacking & Camping
und eine deutschsprachige Variante dazu: Trekking Ultraleicht
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Wenn möglich verfeinerten wir unser Essen mit frischen Beeren und Pilzen. Das einzige Lebensmittel ohne Kalorien, welches wir mit uns führten war ein Fläschchen Tabasco. Den Kaffee ersetzten wir aus kaloriengründen schon früh durch heisse Schokolade. |
Unsere Rucksäcke sind schlussendlich nicht leichter geworden. Aber mit den grösseren Rationen kommen wir nun besser zurecht. Ausserdem nehmen wir jede Gelegenheit wahr, um zu Zusatzkalorien zu kommen. Ein Schild an einer Strassenkreuzung mit dem Wortlaut "Snackbar 0.5 miles" ist ein Muss für jeden Hiker.
Von den nächsten neun Tagen sind deren sieben geprägt von kühlen Temperaturen und Regen. An unserem 15. Tag können wir zum ersten Mal sagen: "Wow, das ist ein wirklich idealer Wandertag". Wir kommen gut voran und schaffen 13,4 Meilen. Auf dem Wayah Bald treffen wir Trail Angel Tom und seine Frau Susan. Tom ist den Trail 1993 selbst gelaufen und er meint, es gebe während des ganzen Trips etwa 30 ideale Tage zum Hiken. Rückblickend muss ich sagen, dass das masslos übertrieben war. An den meisten Tagen ist es nämlich entweder zu warm oder zu kalt oder zu regnerisch oder der Weg ist einfach viel zu steil und unwegsam.
Am 19. Tag erreichen wir Fontana Dam am Eingang zum Great Smoky Mountains Nationalpark. Hier sind die höchsten Berge des südlichen Teils des Trails (ähnlich hohe Berge gibts dann erst wieder in den White Mountains, NH). Wir freuen uns auf den Park, haben wir doch schon einiges über dessen Schönheit und die atemberaubenden Aussichten gehört. Für die 73 Meilen wollen wir uns sieben bis acht Tage Zeit nehmen. Entsprechend schwer sind Rucksäcke durch die vielen Lebensmittel.
Der Weg ist gut ausgebaut und angenehm zu laufen. Wir merken, dass wir uns in einem Nationalpark befinden. Der Trail muss auch für ungeübtere Wanderer, ohne in Lebensgefahr zu geraten, begehbar sein. Das Wetter verschlechtert sich zusehends. Nieselregen und eisiger Wind setzen ein, und auch der Nebel wird immer dichter. Nach 12,9 Meilen erreichen wir die Russell Field Shelter, wo noch zwei Plätze frei sind. Die Hütten hier sind gewöhnungsbedürftig, sind sie doch frontseitig mit einem massiven Gitter versehen. Dies soll vor Bären schützen. Dabei muss ich allerdings an eine Geschichte denken, welche uns noch heute Morgen ein Ranger erzählt hat: Eine Gruppe Hiker hatte sich in ihrerm "Hüttenkäfig" eingeschlossen als eine Bärin mit zwei Jungen daherkam. Die Kleinen spielten und kletterten im Verlaufe ihres Spiels aufs Dach, worauf dann beide durch den Kamin ins Innere der Hütte fielen. Die zwei machten sich über die Lebensmittel der Hiker her während draussen eine wütende Bärenmutter Einlass verlangte... Auf jeden Fall macht diese Hütte keinen besonders sympathischen Eindruck. Liegt es wohl am Wetter, oder daran, dass wir eine "Einzelzelle" mit zehn weiteren "Stinkern" teilen müssen?
Wir kochen rasch das Nachtessen und verziehen uns in unsere Schlafsäcke, obwohl es draussen noch hell ist. Es macht keinen Sinn unnötige Energie in der Kälte zu verlieren. Uns will jedoch nicht richtig warm werden. Im Verlaufe der Nacht ziehen wir sämtliche Kleider an, welche wir dabei haben und schlottern weiter. Am frühen Morgen ist uns dann auch klar warum. Unsere Schlafsäcke sind ausgelegt auf +5°. Jetzt zeigt das Termometer aber -20° an. Mit einem solchen Kälteeinbruch haben wir nie und nimmer gerechnet. Diese Nacht war ein wirklicher Albtraum und hat enorm an unseren Kräften gezehrt. Nach dem Frühstück geht es besser. Es wärmt von innen. All usere Leidensgenossen beneiden uns um unsere warme Mahlzeit. Sie selbst ernähren sich am Morgen ausschliesslich kalt, mit Energie- und Schokoriegeln.
Die Strapazen der Nacht sind rasch vergessen, präsentiert sich uns der Wald doch als märchenhafte Eisskulptur: "Wow, Ursula, schau dir das an, das ist fantastisch, grossartig, unglaublich!" Unsere Begeisterung kennt keine Grenzen. So etwas haben wir noch nie gesehen. Der ganze Wald ist in eine dicke Schicht Eis gehüllt. Die riesigen Eiszapfen hängen nicht an den Bäumen, sondern sind durch den Wind in horizontaler Richtung gewachsen. Überall glitzert und glänzt es. Winzigste Eiskristalle tanzen wie Sterne in der kalten klaren Luft und lassen es angenehm in der Nase kribbeln.
Die Freude über diese Wunderwelt hält aber nicht lange an. Gegen Mittag fängt es an zu Tauen. Zudem setzt Regen ein und ein starker böiger Wind, welcher uns fast umbläst. Viele Bäume sind der Belastung von Eis und Wind nicht gewachsen und knicken wie Zündhölzer. Tonnen von Eisbrocken fallen von den Bäumen und verwandeln den Trail in eine Mischung von Eis, Wasser und Morast. Ab und zu legen wir einen Zwischenspurt ein um einer Eislawine zu entgehen. Einige schmerzhafte Treffer müssen wir trotzdem einstecken und sind damit noch gut davongekommen. Ein anderer Hiker wurde so unglücklich getroffen, dass er mit einem Schädelbruch evakuiert werden musste.
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Solche Eisbrocken fielen von den Bäumen! |
Die nächsten Tage gehen im gleichen Stil weiter: Starker Wind und Dauerregen und Nebel. Der Weg ist ein einziger Hindernisslauf mit hunderten von umgestürzten Bäumen. Im glitschigen Eismorast lassen sich Stürze nicht mehr vermeiden. Kommen die 25 kg am Rücken erst mal in Bewegung, so helfen auch die Wanderstöcke nicht mehr viel. Bei solchen Bedingungen gibt es nur eines, in Bewegung bleiben. So marschieren wir täglich rund zehn Stunden und ziehen unsere Rucksäcke nicht einmal bei Pausen ab. Wir benutzen sie als zusätzliches wärmendes Kleidungsstück.
Tagebucheintrag vom 25.04.00, Tag 24 auf dem Trail |
| Das Wetter ist so beschissen wie gestern, nur ohne Wind. Nach dem gewohnten warmen Frühstück gehts wieder rein in die eklig nassen, kalten Schuhe, rein in den feuchten Poncho, in die nassen Handschuhe, die nasse Mütze aufgesetzt und los gehts in den Regen. Unsere Schmerzgrenze ist schon enorm hoch angesetzt. ein bischen weniger eisiger Wind als gestern und schon haben wir das Gefühl von schönem Wetter. Daheim ginge kein Mensch freiwillig aus dem Haus. Einige existenzielle Fragen gehen mir durch den Kopf wie zum Beispiel: "Wieviel Dreck und Gestank erträgt ein Mensch" oder "Wie lange dauert es, bis ich mich als Schwein wohl fühle". Auf jeden Fall ist unser Limit mehr als überschritten. Morgen ist unbedingt eine Dusche fällig! Wir laufen 13,4 Meilen bis zur Cosby Knob Shelter. Diese ist mit Tagestouristen besetzt, welche dort mit Bier und Wein eine Party feiern. Im Gegensatz zum restlichen Trail schreibt in den Smoky's die Parkverwaltung vor, dass Thruhiker die Schutzhütten den Touristen zu überlassen haben, wenn der Platz knapp wird. Obwohl es noch Platz in der Hütte hat, merken wir schnell, dass wir hier nicht erwünscht sind. Also stellen wir im strömenden Regen unser Zelt auf. Unsere Stimmung hat wieder einmal einen Tiefpunkt erreicht. Ich hasse diese Touristen, die sind wirklich zum Kotzen... |
Am Morgen hört der Regen auf und wir machen uns marschbereit. Ein Blick in die Hütte zeigt, dass meine geliebten Touristen immer noch ihren Rausch ausschlafen. Doch hat sich da nicht etwas bewegt? Tatsächlich, ein dunkles "Etwas" bewegt sich im Kamin. Ich staune nicht schlecht, es ist "Screamer". Nie hätte ich es für möglich gehalten, dass er es durch die Smoky's schafft. "Screamer" ist ein Obdachloser, welcher in Florida von der Polizei aufgegriffen wurde, weil er sich aus Mülltonnen ernährte, was scheinbar verboten ist. Er erklärte der Polizei, er sei doch völlig harmlos, er wolle nur im Land umherwandern und sich aus Mülltonnen ernähren. Da hat ihn die Polizei von Posten zu Posten weitergeschoben und schlussendlich am Start des Appalachian Trails ausgesetzt, mit den Worten: "Hier kannst du wandern soviel du willst, aber lass dich nie wieder in einer Stadt blicken!". "Screamer" macht alles andere als einen vertrauenswürdigen Eindruck. Er starrt vor Dreck, ist in löcherige Lumpen gehüllt und verströmt einen bestialischen Gestank. Seine Arme und Hände sind mit etlichen offenen eitrigen Wunden übersät. "Ich brauche keinen Arzt", erklärte er. "Ich pisse auf meine Wunden, das ist Urin-Therapie, es gibt keine bessere Medizin". Seine paar Habseligkeiten sind in einem alten Pullover zusammengeschnürt. Sein Besitz besteht aus einigen zusammengeschnorrten Lebensmitteln, einer Plastikplane als Zelt, Streichhölzern, sowie einer alten Konservendose, welche er als Pfanne benutzt. Das ist also "Screamer", ein Mann mit enorm scharfem Verstand, eine Existenz welche den Balanceakt auf dem Grat welcher Genialität vom Wahnsinn trennt nicht geschafft hat. Und genau dieser "Screamer" steigt nun wie Phönix aus der Asche, respektive aus dem Kamin. Die warme Asche muss ihm jeweils das Überleben der eisigen Nächte ermöglicht haben. Wie er aber das Wandern bei Eis, Regen und Wind überstanden hat ist mir noch heute ein Rätsel.
Die acht Meilen bis Davenport Gap sind rasch zurückgelegt und die 1,3 Zusatzmeilen, vom Trail weg, zu einem Hostel Namens Mountain Moma's noch viel schneller. An Dreck und Gestank gewöhnt man sich, nicht aber an einen knurrenden Magen. So lassen wir vorerst die Duschen links liegen und genehmigen uns im Restaurant einen Cheeseburger mit einer Riesenportion Pommes Frites.
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Moutain Moma's (Hostel) |
Endlich scheint die Sonne wieder einmal, so dass wir all unsere nassen Sachen trocknen können. Einige Hiker haben sich bei Mountain Moma's gleich einige Tage einquartiert um das schlechte Wetter abzuwarten. So hat sich eine ziemlich grosse Gruppe angesammelt. Die Stimmung ist ausgezeichnet. Nach dem Duschen und Wäschewaschen gehts ein zweites Mal ins Restaurant zu Cheeseburger und Pommes Frites. Bei einem warmen Apfelkuchen mit Eiscrème studieren wir das Gästebuch und finden, dass es nun an der Zeit ist einen Trailnamen zu wählen. Die meisten führen auf dem Trail einen Namen der einzigartig ist. Johnnys und Marys gibts nämlich viele und man weiss nie, um wen es sich nun handelt. Bisher haben wir auf die Frage nach unseren Trailnamen und ob wir Thruhiker sind immer geantwortet: "Wir sind keine Thruhiker, aber wir versuchen es und Trailnamen haben wir auch keine, wir heissen einfach Andreas und Ursula". In den Smokys sind wir durch die Hölle gegangen und haben es überstanden. Zum ersten Mal glauben wir daran, dass wir es schaffen können. In Zukunft werden wir sagen: "Ja, wir sind Thruhiker, wir sind Swiss Cheese und Swiss Miss". Die Namenswahl ist wiklich gelungen, zum einen, weil beides beliebte Lebensmittel sind, zum anderen weil eindeutig klar ist woher wir kommen. So wird also ein Schweizer Käse und eine heisse Schokolade den Rest des Trails bewältigen.
Mindestens 99% der Hiker sind Amerikaner, die meisten von der Ostküste. Europäer sind äusserst selten und Schweizer noch viel seltener. Schweizer sind richtige Exoten. Bald ist entlang des gesamten Trails bekannt, dass ein Schweizer Paar unterwegs ist und alle wollen uns kennenlernen. Auch macht das Gerücht den Umlauf, wir seien unabhängig voneinander auf den Trail gekommen und hätten erst hier zusammengefunden ...
Wir stehen um fünf Uhr auf und sind bereits um sechs unterwegs. Es ist noch dunkel. Aber wir kennen nur ein Ziel: Möglichst rasch und möglichst weit weg, von den "Worst Smoky Mountains", wie wir sie jetzt nennen. An diesem Tag legen wir unglaubliche 22,1 Meilen zurück. Dies wird auch bis ans Ende des Trails unsere längste Tagesetappe bleiben. Vor 26 Tagen sind wir völlig untrainiert gestartet und sind jetzt schon recht gut in Form. Es ist beeindruckend wozu der menschliche Körper fähig ist.
Zwei Tage später ereichen wir Hot Springs. Hier wollen wir unsere ersten zwei freien Tage einlegen, sogenannte Zero-Days. Zudem finden dieses Wochenende die sogenannten Trail Days statt, ein Fest und gleichzeitig Höhepunkt des sozialen Lebens in diesem Dorf. Wir haben Ramba-Zamba erwartet und sind nun ziemlich enttäuscht. Das Fest besteht aus einem Outfitter-Stand, einem Chinesen, welcher teures Essen verkauft, sowie einer Bühne, wo sich alle, welche halbwegs ein Instrument beherrschen, produzieren. Am späteren Nachmittag findet natürlich noch die unvermeidbare Parade statt. Immerhin, es ist herrliches Wetter, wir geniessen das Faulenzen und die Sonne und unterhalten uns mit unseren Hikerfreunden. Am Abend besuchen wir ein Trommelkonzert. Allerdings weiss niemand wo es stattfindet, nicht Mal die Musiker. So irren wir alle zusammen im Dorf herum, bis ein geeigneter Platz gefunden ist.
Sonntag, 30.04.00, Tag 29 auf dem Trail, unser erster Zero-Day. Der Tag beginnt perfekt, nämlich mit einem ALL-YOU-CAN-EAT-Frühstücksbuffet für $5 im Gemeindezentrum. Klar, dass kein Hiker diese Gelegenheit vepasst. Nach dem Frühstück dichte ich endlich die Nähte unseres Zeltes ab, worauf hunderte von lästigen kleinen Fliegen im klebrigen Silikon ihren Tod finden. Zero-Days sind in der Regel nicht wirklich freie Tage. Es gibt immer viel zu erledigen, wie zum Beispiel Einkaufen, e-Mail checken, Mail-Drops vorbereiten usw. So kommen natürlich immer wieder etliche Zusatzmeilen zusammen. Heute wollen wir es aber richtig geniessen. Wir gönnen unseren strapazierten Körpern ein Bad in den heissen Quellen, d. h. wir erhalten für eine Stunde einen eigenen kleinen Whirlpool - HERRLICH!
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Hot Springs (North Carolina) |
In diesem Kaff ist wirklich nichts los. Den freien Sonntag haben wir ausgiebig genossen, aber jetzt hält uns wirklich nichts mehr hier. Wir verzichten auf den geplanten zweiten Zero-Day. Es kribbelt in den Beinen, wir wollen weiter.
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Unser nächstes Ziel ist klar, Damascus, die erste Ortschaft in Virginia. Auch dort finden jedes Jahr Trail Days statt. Dort dauern sie aber eine ganze Woche. Es soll ein Fest der Superlative sein. Dieses Jahr finden sie vom 15.-21. Mai statt und nach diesem Termin werden wir uns für die nächsten 184 Meilen richten.
Nach fünf Tagen legen wir in Erwin bei Oncle Johnny's Hostel einen weiteren Zero-Day ein und geniessen ein Fest mit Blue-Grass-Musik. Wir machen nun die Erfahrung, welche andere schon viel früher gemacht haben. Nach jedem Zero-Day ist das Wandern unheimlich hart. Wir haben das Gefühl von kraftlosen Beinen. Wir schleichen nur so die Berge rauf. Jeder Schritt ist eine Qual. Dies sind Symptome, welche oft zur "Townsick" genannten Krankheit führen. Aus einem Zero-Day werden zwei, dann drei, dann eine Woche und schlussendlich fährt man mit dem Bus nach Hause. Mir scheint jedoch, dass uns persönlich viel mehr die plötzlich einsetzende Hitze zu schaffen macht. Das Thermometer klettert erbarmungslos gegen die 30°. Die zusätzlichen Wasservorräte lasten schwer auf unseren Schulttern. Wir nehmen eher zu viel Wasser mit, seit wir uns einmal verkalkuliert haben und fast verdurstet sind.
Bis Damascus haben wir genügend Zeit, so dass wir keine Monsteretappen einzulegen brauchen. Unser kürzestes Stück beträgt dann auch nur 1,7 Meilen und führt uns zur Overmountain Shelter.
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Overmountain Shelter |
Dieser Ort ist so wunderschön gelegen, dass wir nicht anders können, als zu bleiben. Die zur Shelter umgebaute riesige Scheune lieg in einer farbenprächtigen Blumenwiese mit fantastischem Ausblick. An einem nahegelegenen Bächlein finden wir "Ramps", das ist wilder Knoblauch mit recht grossen Knollen. Dieses Gemüse ist geschmacklich etwas zwischen Zwiebeln und Knoblauch und kommt nur in Höhenlagen oberhalb von 1000 Metern vor. In früheren Zeiten waren die "Ramps" ein wichtiges Gemüse für die Bevölkerung, so dass noch heute vielerorts "Ramp-Festivals" durchgeführt werden. Nach unserem Fund sind bald alle daran dieses schmackhafte Gemüse zu suchen und wir feiern unser eigenes kleines Fest. Essen kann man übrigens Kraut und Knollen.
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Rampparty |
Die Strecke zwischen Erwin und Damascus ist eines der schönsten Teilstücke überhaupt, da jetzt der Frühling voll Einzug gehalten hat. Überall spriesst und blüht es. Die meisten Blumen sind uns unbekannt. Leider haben wir aus Gewichtsgründen kein Bestimmungsbuch dabei. Die Farbenpracht lässt sich aber auch so geniessen. Besonders Freude haben wir an den gelben und rosaroten Frauenschuhen (Ladyslippers), welche häufig vorkommen. Die feuchten Wetterseiten der Berge sind völlig überwachsen mit Rhododendren und Azaleen. Unten im Tal sind die ersten am Blühen, in höheren Lagen wir es wohl noch einige Wochen dauern bis es soweit ist.
Unser unplanmässiger Aufenthalt bei der Overmountain Shelter liess unsere Lebensmittel frühzeitig zur Neige gehen. Bei der Apple House Shelter richten wir uns für die Nacht ein. Ich erledige einige "Hausarbeiten" während Ursula die halbe Meile zur Strasse läuft, um nach Elk Park zum Einkaufen zu stöppeln. Hickery, ein anderer Hiker rät aber unbedingt davon ab. Die Leute von Elk Park seinen sehr unfreundlich. Vor vielen Jahren, sei einigen von ihnen wegen dem Trail Land enteignet worden. In der Folge kam es zu unschönen Zwischenfällen zwischen Landbesitzern und Hikern. Die schlechte Stimmung sei bis heute geblieben. Er selber gehe um nichts in der Welt nach Elk Park! Solche Geschichten ängstigen uns nicht sonderlich, ausserdem bleibt uns nichts anders übrig, wenn wir nicht verhungern wollen.
Nach einer halben Stunde ist Ursula zurück. In so kurzer Zeit kann sie die Einkäufe unmöglich erledigt haben, denke ich. Ausserdem sieht ihr Rucksack genauso leer aus wie zuvor und ich könnte schwören eine Bierfahne zu riechen.... "An der Strasse sind zwei Trail Angels, Still Hippie und Moose", sprudelt es aus ihr heraus. "Sie fahren alle Hiker nach Elk Park auf einen Camping. Alles ist gratis, und am Abend gibt es ein grosses Fest" So etwas muss man einem richtigen Hiker nicht zweimal sagen. Alle packen ihre Sachen und machen sich auf den Weg. Der schnellste ist Hickery. Wir treffen ihn unten an der Strasse. Er hält eine Dose Bier in der Hand, strahlt über alle vier Backen und ist wohl der glücklichste Mensch der Welt.
Der Zeltplatz ist an einem wunderschönen Fluss gelegen, welcher zum Baden einlädt. Im Verlauf des Nachmittags trudeln immer mehr Hiker ein, auch all diejenigen, welche absolut nichts von Elk Park wissen wollten. Da wir uns in letzter Zeit einen regelmässigen Marschrythmus angeeignet haben treffen wir unterwegs immer wieder dieselben Leute an. So sind bis am Abend auch all unsere Freunde eingetroffen: Grasshopper, Pa, Papa Doc, Blister Sister, Bookworm, Monster Frog und viele mehr. Bei B-B-Q, Bier und Wein feiern wir am gemütlichen Lagerfeuer. Es ist unser erstes Cook-Out!
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Cook Out in Elk Park |
Wer feiern kann, kann auch laufen. So sind wir am nächsten Morgen gegen halb zehn wieder auf dem Trail, jedoch nicht ohne vorher noch einige Bier als Wegzehrung einzupacken. Bis Damascus ist es nicht mehr all zu weit. Wir geniessen das Wandern, vor allem die letzten vierzig Meilen (Watauga Lake bis Damascus), denn diese sind praktisch flach, eine Strecke welche ich auch ungeübten Wochenendwanderern empfehlen kann.
Wir geniessen das flache Terrain und das schöne Wetter. Die warmen Temperaturen locken auch immer mehr Schlangen aus ihren Verstecken. Sie sonnen sich gerne auf exponierten Felsen oder auch mitten auf dem Weg. Ursula läuft hinter mir her, und bei jedem Schrei von ihr, weiss ich, dass ich wieder beinahe auf eine Schlange getreten bin. Glücklicherweise sind es bis jetzt nur die ungiftigen und harmlosen Black Rat Snakes.
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Donnerstag, 18. Mai 2000, ein erstes wichtiges Ziel ist erreicht - Damascus, die erste Ortschaft in Virginia. Die Trail Days sind seit Montag in vollem Gange. Überall sind Marktstände aufgestellt, aus jeder Ecke duftet es nach anderen Köstlichkeiten. Am Fluss ist eine riesige, kunterbunte Zeltstadt entstanden. Es ist der Treffpunkt für Hiker, Biker und alte Hippies. Wer auf dem Trail unterwegs ist, richtet sein Timing so ein, dass es auf die Trail Days passt. Wer weit voraus ist, oder auch zurückliegt, reist per Anhalter an. Auch viele ehemalige Thruhiker finden sich jedes Jahr wieder ein um alte Freunde zu treffen. Es ist wie eine grosse Klassenzusammenkunft.
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Zeltstadt in Damascus |
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an der Fortsetzung wird gearbeitet ...