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Bike Australia

10'000 Kilometer Fahrradabenteuer quer durch Australien

Karte Bike Australia

© Text und Fotos: Christian Zimmermann

Literatur zum Einstimmen:
Das Leben eines Radlers von Welt - 30 Jahre, 430'000 Kilometer, 136 Länder: Sieh diese Erde leuchten!
Satirisches von Bill Bryson: Frühstück mit Kängurus: Australische Abenteuer

Empfehlenswerter Bücher zur Vorbereitung:
Radreisen-Basishandbuch: Praxis-Ratgeber
Fahrrad-Weltführer
Australien. Outback Handbuch: Vorbereitung - Ausrüstung - Streckenbeschreibungen

Aller Anfang ist schwer

Da steh ich nun, ziemlich verlassen, auf der anderen Seite dieses Erdballs, am Flughafen Perth, Westaustralien. Ich komme mir vor wie ein Exot, denn alle Leute mustern mich ziemlich neugierig. Ich befinde mich mitten in der Ankunftshalle des Flughafens, um mich herum erheben sich Berge von Ausrüstung, ein Tourenvelo und der dazu passende Anhänger. Wie in Gottes Namen verstaue ich nur all diese Sachen auf meinem Bike ?!? Nach zwei Stunden Packerei schwinge ich mich voller Stolz auf meinen kleinen "Roadtrain". Doch der Uebermut bekommt schon nach dem ersten abzweigen einen Dämpfer. Dutzende Geisterfahrer kommen mir entgegen - aber hallo - ich bin wohl der Sündenbock, denn in Australien wird nach wie vor links gefahren. Die Australier sehen das nicht so eng, lachen und brauchen ihren Lieblingsspruch: "No worries". Ohne grössere Probleme strample ich bis Downtown Perth und ergattere mir ein hübsches Zimmer in der Jugi. Ganze vier Tage gönne ich mir in dieser sympatischen Stadt.

Perth by NightPerth

Unterwegs

Lange habe ich auf diesen Augenblick gewartet. Nun bin ich also unterwegs, der Küste entlang Richtung Norden. Ich mache schon das erste Mal Bekanntschaft mit dem zweitgrössten Feind eines jeden Bikers, dem Wind. Der grösste Gegner ist der eigene Kopf. Vorallem die ersten Tage gestalten sich eher schwierig. Ich habe das Gefühl nicht vorwärts zu kommen. All die gutgemeinten Angebote für eine Mitfahrgelegenheit, die ich natürlich allesamt ablehne, sind auch nicht gerade förderlich. Doch mit jedem Tag steigt die Lust am Fahrradfahren und nach zwei Wochen kann ich mir gar nichts anderes mehr vorstellen. Im Gegenteil, ich bedaure die Autofahrer, die mit hundert Sachen an mir vorbeibrauschen und nichts vom Land mitbekommen.

Kalbarri NationalparkKalbarri Nationalpark

Nach gut 700 Kilometern mache ich einen Abstecher in den Kalbarri National Park. Die teilweise ungeteerten Strassen sind ziemliche Waschbretter und ich komme mir vor wie ein Schüttelbecher. Doch die Strapazen werden belohnt. Der Murchison River hat in Jahrmillionen eine grandiose Landschaft in das rote Gestein gefressen. Vorallem der Kontrast zwischen den schneeweissen Eukalyptusbäumen und dem roten Gestein fasziniert mich.

Tierische Begegnungen

Unterwegs kann ich sehr viele Echsen beobachten, die sich am Strassenrand sonnen. Als ich ein besonders hübsches Exemplar fotografieren will, flüchtet dieses, besteigt mein Bike und klammert sich zwischen den Speichen fest. Eine halbe Stunde bemühe ich mich, den blinden Passagier loszuwerden. An diesem Tag habe ich noch mehr tierische Erlebnisse. Ich übernachte bei einem verlassenen ehemaligen Roadhouse. Das hat den Vorteil, dass ich über den Luxus eines Tisches verfüge. Aber auch andere Kreaturen haben scheinbar Gefallen an diesem Platz gefunden. Ein Emu stolziert die ganze Zeit um mich herum und scheint überhaupt keine Angst zu haben. Im Gegenteil! Als ich meine Two Minutes Chicken Noodle Soup, die lustig vor sich her köchelt, für einige Sekunden aus den Augen lasse, macht sich dieses freche Emu über sie her. Mit knapper Not kann ich weitere Angriffe mit meiner zweiten Pfanne abwehren. Schlussendlich versöhnen wir uns und als Dankeschön posiert der eitle Vogel gekonnt vor meiner Kamera.

EchseEmuBegegnungen

Stockmen

Ich bin nun schon einige Zeit in den Kimberleys und mühe mich auf den staubigen Gravel Roads ab. Ich habe gelernt, nicht auf Tipps von Autofahrern zu hören, denn die haben wirklich keine Ahnung vom velofahren. Vorallem was den Stassenzustand betrifft. Wenn es heisst die Schotterpiste sei bicobello, dann kann das auch heissen sandig und dann wird es ganz mühsam... So wähle ich einfach die Routen nach Lust und Laune und hoffe auf einigermassen befahrbare Strassen. Die bis zu fünfzig Meter langen Roadtrains sind so eine Sache für sich. Zum ersten nebeln sie mich für Minuten ein, manchmal fliegen Steine wie Geschosse durch die Luft und der Luftsog, den sie produzieren, ist auch nicht ohne.

RoadtrainRoadtrain

Ich habe die Rinder schon von weitem gesehen. Hunderte von Tieren befinden sich in einer grossen Umzäunung. Ich will schon wieder weiterradeln, da kommen fünf Stockmen (Cowboys) hoch zu Ross und beginnen mit ihrer Arbeit. Wie im wilden Westen geht es zu und her. Das Mustering Team ist eingespielt und jeder weiss ganz genau was, er zu tun hat, um die manchmal störrischen Tiere in die richtigen Gatter zu treiben. Dort werden sie zuerst einmal aussortiert. Anschliessend muss markiert und geimpft werden. Auch werden die Hörner der Tiere abgesägt, was eine ziemlich schweisstreibende und blutige Angelegenheit ist. Den ganzen Tag beobachte ich das geschäftige Treiben und merke nicht einmal, dass es schon später Nachmittag geworden ist. Weiterradeln kommt heute nicht mehr in Frage. Die harten Jungs laden mich ein, die Nacht in ihrem Lager zu verbringen. Toni fragt mich, ob ein Barbecue zum Znacht wohl recht sei. Natürlich ist das recht! Nach all den Noodle Soups mal wieder ein richtiges Stück Fleisch zwischen die Zähne!

StockmenSchlachtungStockmen

Doch da es hier weit und breit keinen Supermarkt gibt, muss man sich seine Steaks selber besorgen. Toni nimmt das Gewehr und ich folge den Reitern im Pickup. Ein riesiger Bulle wird geschossen und Toni meint nur augenzwinkernd: "Das war ein Bulle des Nachbarn"! So eine Grillparty habe ich wirklich noch nicht erlebt! Die besten Stücke schneiden wir uns raus, vielleicht ein Stückchen Filet, oder darf es noch ein Rumpsteak sein? Dazu, wie es sich in Australien gehört, eiskaltes Bier und das auch nicht zu knapp. Kurz vor Mitternacht kugle ich mich in mein Zelt und schlafe sofort ein. Es ist eine kurze Nacht, denn die Jungs kraxeln schon um vier Uhr früh aus den Federn. Sie wollen die Kühle des Morgens zum arbeiten nutzen, denn heute wird es wieder ziemlich heiss.

Buschbrand

Die Hitze macht mir eigentlich nichts aus. Die vierzig Grad im Schatten ertrage ich auf dem Velo recht gut. Der Fahrtwind macht die ganze Sache erträglich. Ein Problem, das die Temperatur mit sich bringt, ist die Wasserversorgung. Es gibt Strecken, da fährt man 700 km von einem Ort zum anderen, mit nur zwei Roadhouses zum "auftanken". Aber auch an solchen Plätzen ist es nicht sicher, ob man Wasser erhält, denn die Bewohner haben manchmal selber zuwenig. Flaschenweise kaufen kann man das kostbare Nass natürlich alleweil. Kopfschüttelnd schreibe ich in mein Tagebuch: "Fürs Wasser muss ich über 3 Dollar bezahlen, Benzin gibt es für 80 Cents!" Auf manchen Strecken muss ich über 20 Liter Wasser mitführen, die aber auch nur für zwei Tage reichen. Während dem fahren trinke ich über sechs Liter am Tag, und zum kochen und abwaschen brauche ich auch noch eine Ration. Wenn ich dann noch ein paar Tropfen "verschwenden" kann, wasche ich mir den gröbsten roten Staub vom Körper.

Fire SafetyBuschbrandBuschbrand

In den letzten Tagen ist immer ein Rauchgeschmack in der Luft gelegen. Nun sehe ich die ersten Rauchsäulen! Mir ist nicht wohl bei der Sache, denn hier irgendwo muss ich mein Nachtlager aufstellen.

Nach einigem Hin und Her finde ich ein Plätzchen, das mir sicher genug erscheint und richte mir mein Lager her. Am Morgen öffne ich mein Zelt, strecke den Kopf raus und erschrecke. Alles voll Rauch! Rasch hüpfe ich aus dem Zelt und peile die Lage. Ich sehe nirgends Feuer, nur eben diesen Rauch. Schneller als sonst bin ich abfahrbereit. Nach einer Stunde Fahrt sehe ich den Grund für den Rauch. Vor mir wütet ein ausgewachsener Buschbrand. Diese Brände sind von Menschenhand gelegt. Mosaikartig werden systematisch Flächen abgebrannt, um späteren natürlichen Bränden die Nahrung zu entziehen. Normalerweise brennt es nur auf einer Seite der Strasse. Doch dieser Brand lodert auf beiden Seiten und manchmal schlagen sich die Flammen über der Fahrbahn zusammen! Der Wind treibt die Flammen rasend schnell auf mich zu. Ich muss links umkehrt machen und flüchten. Ich beobachte die Flammen. Zwischenzeitlich flaut der Wind ein bisschen ab und die Flammen werden kleiner. Das ist meine Chance. Ich gehe auf Angriff über, spurte wie ein Verrückter mitten auf der Strasse, sozusagen im Blindflug durch den Brand. Hoffentlich kommt mir kein Auto entgegen denke ich nur noch und verschwinde in den Rauchschwaden. Etwa hundert Meter lang ist dieser Rauch- und Feuertunnel, die Augen brennen und nach Luft schnappe ich auch. Einigermassen wohlbehalten komme ich auf der anderen Seite an. Wie eine geräucherte Wurst stinke ich und mit weichen Knien denke ich, dass das wirklich kein cooles Abenteuer war.

Bungle Bungle

Immer wenn mein Kilometerzähler wieder eine gerade Zahl anzeigt, veranstalte ich ein Riesenfest. Dieses Fest sieht folgendermassen aus: In Gedanken klopfe ich mir selber auf den Rücken und zur Belohnung esse ich eine saftige Orange, die ich mir immer für solche Gelegenheiten aufspare. Heute habe ich das 4000 Kilometer Jubiläum gefeiert. Nach dem Mittag komme ich an den Abzweiger, der in den Bungle Bungle Nationalpark führt. Grosse Schilder warnen: "Only 4 Wheel Drive"! Mit meiner eigenen Zählweise komme ich bei meinem Gefährt auch auf vier Räder - oder? So kann mich dieses Schild nicht gross beunruhigen und es sind ja nur 64 Kilometer...

Bungle Bungle Nationalpark

Nur im Schritttempo komme ich vorwärts, doch die paar wenigen Jeeps, die mir begegnen, können auch nicht viel schneller fahren. Es ist ein stetiges auf und ab und sehr kurvig. Kurz vor der Dämmerung finde ich ein schönes Lagerplätzchen und bleibe, denn bis in den Nationalpark rein schaffe ich es heute eh nicht mehr. Am nächsten Tag stehen einige Creek Crossings auf dem Programm. Diese Bachdurchquerungen sind meistens kein Problem, denn sie führen im Moment nicht sehr viel Wasser. Nur einer reicht mir bis an die Oberschenkel und so muss ich meine Ausrüstung häppchenweise rübertragen. Insgesamt benötige ich über acht Stunden für die paar läppischen Kilometer, aber die Anstrengung wird durch eine grandiose Landschaft belohnt. Ich leiste mir einen Helikopterrundflug und lasse mir eine der grossartigsten Landschaften Australiens aus der Vogelperspektive zeigen.

Kakadu Nationalpark

Drei Tage habe ich meine müden Radlerbeine in Darwin ausgeruht. In einem hübschen Backpacker Downtown bin ich einquartiert. Auf der grossen Terasse befinden sich zwei Whirlpools! Das absolut richtige für Leib und Seele. Ich bringe meinen Hintern fast nicht mehr aus diesem sprudelnden Vergnügen. Erst als sich die Haut so richtig aufgedunsen hat, kann ich mich aufraffen, aus dem Becken zu steigen. Viel weiter als bis zum nächtsten Liegestuhl schaffe ich es meistens nicht. Doch manchmal mache ich sogar einen Umweg zum Kühlschrank, um mir ein eiskaltes VB zu schnappen. Am Abend toure ich mit anderen Abenteuern durch die Strassen von Darwin und geniesse das Nachtleben. Nach diesen mehr oder weniger erholsamen Tagen in der Zivilisation musste ich einfach wieder los. Nicht dass ich keine Zeit mehr gehabt hätte - aber an dieses Leben könnte ich mich viel zu einfach gewöhnen. Aber ich will weiter, wieder auf mein geliebtes Bike, das sich sicher in diesen Tagen sehr gelangweilt hat.

Auf diesen Abstecher in den Kakadu Nationalpark habe ich mich schon lange gefreut. All die Feuchtgebiete mit den Krokodilen und den abertausenden von Vögeln. Plötzlich pfeifft es von hinten! Nein, nicht schon wieder einen Platten! In der grössten Mittagshitze und ohne Schatten ist der Schaden nach einer knappen Viertelstunde schon wieder behoben. Ich habe es mir zum Sport gemacht, immer schneller beim Reifenflicken zu werden und freue mich insgeheim schon fast auf den nächsten "Boxenstopp".

TermitenhügelKakadu NationalparkKakadu N. P.

In Jabiru kann ich mich noch kurz vor Ladenschluss mit Proviant eindecken. Ich beschliesse, die 40 Kilometer bis zum sagenumwobenen Ubirr Rock noch heute unter die Räder zu nehmen. Früher suchten die Aborigines diese erhöhte Felsformation auf, um Schutz vor Wind und Wetter zu haben. Eine wunderbare Aussicht geniesse ich über die Feuchtgebiete, die sogenannten Wetlands. Auch schöne Felsmalereien der Ureinwohner kann ich hier bestaunen. Auf dem Weg zu anderen Rock Paintings beim Nourlangie Rock komme ich bei riesigen Termitenhügeln vorbei. Der höchste ist sicherlich über fünf Meter hoch! Einfach unvorstellbar was diese kleinen Insekten alles vollbringen können.

Felsmalerei der AboriginesFelsmalerei der Aborigines

Bei Yellow Waters hat man die Möglichkeit, über sichere Holzstege in die Feuchtgebiete einzudringen. Riesige, warzige Salzwasserkrokodile beobachte ich. Ein Exemplar frisst genüsslich einen monströsen Barramundi Fisch. Die anschliessende Bootstour ist einfach grandios: Reiher, Störche, Gänse, Adler, jede Menge Kroks und dazu spiegelt sich die Landschaft in der Lagune. Apropos Krokodile: Nach diesem Tag begreife ich, warum man auf Schritt und Tritt riesige Warntafeln trifft, die sagen "No swimming". Selbst in kleinsten Tümpeln kann man sich nicht sicher fühlen!

SalzwasserkrokodilSalzwasserkrokodil

Rotes Zentrum

Zurück auf dem Stuart Highway wird die Landschaft wieder ein bisschen monotoner. Aber eben - langweilige Strecken gibt es als Fahradfahrer eigentlich nicht. Wegen des langsamen Reisetempos sieht man auch die kleinen Schönheiten der Natur. Eine wunderschöne Blume, die sich durch den roten Sand gearbeitet hat und für ein paar Tage in ihrer schönsten Pracht erstrahlt, oder eine kleine Windhose, die lustig über das Land zieht. Es gibt auch Unangenehmes. All die toten Rinder und Känguruhs, die von den Roadtrains plattgewalzt werden. Schon bevor ich die Verkehrsopfer sehe, rieche ich sie. Der Gestank ist manchmal bestialisch und ich kann nicht einfach die Scheibe hochkurbeln und das Problem ist erledigt. Die Trucker sind nicht bösartig und überfahren mutwillig diese Tiere. Sie haben schlicht und einfach keine Chance, innert nützlicher Frist anzuhalten, denn der Bremsweg dieser Lastzüge ist immens. Aus diesem Grund haben fast alle Fahrzeuge eine sogenannte Roobar montiert. Dieses stabile Rohrgestänge schützt das Gefährt vor dem gröbsten Aufprall.

In Alice Springs muss ich einen grossen Service am Fahrrad machen. Ich habe entdeckt, dass die Hinterfelge kleine Risse aufweist - bin wohl zu schwer beladen. Besorge mir eine neue Felge und zwei neue Pneus. Auch die Kette wechsle ich prophylaktisch aus. Ansonsten ist mein fahrbarer Untersatz in tadellosen Zustand. Auch der Einachsanhänger hat sich bestens bewährt. Auf dem Campingplatz treffe ich ein paar andere Radler. Es ist immer dasselbe. Wenn man wieder einmal in der Zivilisation ist, sind die Verlockungen eines riesigen Supermarktes einfach zu gross. Nach unserem gemeinsamen Shoppen stellen wir fest, dass wir viel zu viel eingekauft haben. Vorallem auf Frischprodukte wie Yoghurt oder Fleisch ist man scharf und so müssen wir noch zwei Extratage in Alice einlegen, um all den Proviant zu essen!

West McDonald RangeWest McDonald Range

Meine Fahrt geht weiter durch die West Mc Donnel Range. Ab Glen Helen ist es fertig mit Asphalt. Viele Leute haben mir abgeraten, diese Strecke zu fahren - aber eben. Die Strasse ist in einem sehr schlechten Zustand. Einzelne Abschnitte sind sehr sandig; da komme ich mehr stossend als fahrend vorrwärts. Ich bin total ausgepumpt. Dazu kommt noch, dass ich einen kleinen Abzweiger Richtung Kings Canyon verpasst habe - Scheisse. Ich bin völlig kaputt, aber es gibt keine andere Möglichkeit, als 50 Kilometer Umweg zu fahren und in Herrmannsburg meine Wasserbehälter aufzutanken. Ein anderes Problem ist, dass ich mich hier auf Aboriginal Land befinde, also campieren verboten ist. Nach dem Wassertanken radle ich mit meinen letzten Kräften noch einige Kilometer in der Dunkelheit und schlage mich dann in die Büsche. Ich bin sogar zu müde, um zu kochen. Halb schlafend schiebe ich mir noch ein bisschen Schokolade zwischen die Zähne und falle in einen erholsamen Tiefschlaf. Zwei weitere Tage fahre ich auf staubigen Wellbrettstrassen durch die grandiosen West Mac's bevor ich beim Kings Canyon ankomme.

Coober Pedy

Nach weiteren Abstechern zum Uluru und Olgas habe ich gestern die Grenze zu Südaustralien überschritten und befinde mich schon in Coober Pedy. Es ist eine ziemlich trostlose Opalminenstadt. Keine Bäume, kein Grün, nur Hitze und Staub. Optisch kann ja dieser Ort nicht viel hergeben, aber ungemein interessant ist er. Etwa zwei Drittel der Einwohner leben unterirdisch, in ihren Dugouts. Das hat den Vorteil, dass man, ob Winter oder Sommer, ein angenehmes Wohnklima vorfindet.

Einige dieser Wohnungen kann man besichtigen. Manche Bauherren sind schon beim Hausbau auf eine Opalader gestossen und konnten sich so sanieren! Auch einige Hotels und Backpacker befinden sich unter dem Boden und sogar eine unterirdische Kirche gibt es!

Coober Pedywohnung in Coober PedyCoober Pedy

Am Abend bereite ich mich auf dem Campingplatz auf den nächsten Tag vor. Ich will weiter Richtung Süden radeln, über Williams Creek in die Flinders Range. Die Naturstrasse soll ziemlich sandig sein und auch die Wasserversorgung scheint mir nicht ganz einfach. Also fülle ich alle meine Wasserbehälter, das sind immerhin fast 22 Liter Wasser. Morgen früh will ich um vier Uhr starten, so dass ich einige kühle Morgenstunden zum radeln haben werde... Um 3 Uhr geht's aus den Federn. Ich öffne den Reissverschluss meines Zeltes und strecke den Kopf raus. Der erste Blick geht wie gewohnt zu meinem Velo. Aber dieser Blick entdeckt kein Velo. Ein bisschen verwirrt kraxle ich aus dem Zelt und schaue mich um. Da ist kein Fahrrad mehr! Oder habe ich meinen fahrbaren Untersatz nach dem Pubbesuch an einem anderen Platz parkiert? Also diese drei Bierchen können doch meine Sinne nicht so verwirrt haben! Ich suche den Camping ab – ohne Erfolg. Das gibt es doch nicht. Mein Fahrrad habe ich ca. fünf Meter neben meinem Zelt an einen Baum angekettet und nun ist es gestohlen worden! Schei...! Ich klingle den Chef des Platzes aus dem Bett und der ruft die Polizei. Nichts passiert. Um acht Uhr morgens marschiere ich auf den Polizeiposten und mache Anzeige. Für so einen Veloklau haben die Polizisten nur ein müdes Lächeln übrig, denn in dieser Wild West Minenstadt müssen sie sich normalerweise um kompliziertere Fälle kümmern. Was mache ich jetzt? Ich versuche einen günstigen Mietwagen zu besorgen, aber es ist alles viel zu teuer. Ein Angestellter des Campings erzählt mir, dass ein Freund ein Auto zum verkaufen hat. Warum eigentlich nicht. Für 1500 Dollar wechselt der 25 - jährige Holden am nächsten Tag seinen Besitzer. Die letzten zwei Monate meiner Reise werde ich wohl oder übel mit diesem motorisierten Gefährt unter die Räder nehmen müssen...

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