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Everest Trekking

Von Lukla bis ins Base Camp des Mount Everest

Jakobsweg-Karte EuropaMount Everest und Nuptse

© Text und Fotos: Christian Zimmermann

Am 29. Mai 1953 bestiegen der Neuseeländer Edmund Hillary und der nepalesische Sherpa Tenzing Norgay als erste Menschen den höchsten Berg der Welt, den Mount Everest (8848 m). Zum 60-Jahr Jubiläum sind einige interessante Bücher erschienen, welche ich hier empfehlen möchte:
Georg Lowe: Die Eroberung des Mount Everest: Originalfotografien von der legendären Erstbesteigung
Walther Lücker: Der höchste Berg: Traum und Albtraum Everest

Empfehlenswerte Bücher zum Vorbereiten einer eigenen Trekkingtour:
Andrew Stevenson: Mein Weg zum Mount Everest: Auf dem Trekking-Pfad durchs Khumbu Himal
Kai Gildhorn: Nepal: Mount Everest Trek
Maren Schneider: Dem Himmel so nah: Trekking im Everest-Gebiet

Kathmandu

Kathmandu

Drei Tage bevor ich nach Nepal abreise, sitze ich zu Hause vor dem Fernseher und switche von Kanal zu Kanal. Eine Dokumentation mit dem Titel "Die 10 gefährlichsten Flugplätze der Welt" stoppt meine Zapperei abrupt. Auf dem ersten Platz wird nämlich der Flughafen, respektive die Landepiste von Lukla in Nepal aufgeführt. Ich schlucke dreimal leer - dieser Ort wird in wenigen Tagen mein Ausganspunkt für das 10-tägige Trekking zum Everest Base Camp (EBC) sein.
Zwei Tage verbringe ich in Kathmandu Nepal und tauche in diese dreckige, stinkende, laute und doch betörende und fesselnde Stadt ein!

SchneiderBuddhistinStoffhändlerKathmandu

Am letzten Abend trifft sich das ganze Expeditionsteam, das ich fotografisch bis ins Base Camp begleiten werde im Hotel zur Besprechung. Die internationale Alpinistengruppe hört aufmerksam den Ausführungen unseres Expeditionsleiters Russell Bryce zu. Von den rund dreissig Teilnehmern werden sich zehn an den Mount Everest (8848m), ein halbes Dutzend an den Lhotse (8414m) und vier Bergsteiger an den Nuptse (7861m) wagen. Die restlichen Teilnehmer absolvieren „nur“ das Trekking ins EBC. Das Team besteht aber noch aus über vierzig zusätzlichen Personen. Koch, Träger, Ärztin, Sherpas und Bergführer sind teilweise schon seit Wochen im EBC mit dem Aufbauen der Infrastruktur beschäftigt.

Russell BryceRussell Bryce, Expeditionsleiter

Morgen früh also werden wir in das, auf 2860 Höhenmeter gelegene Lukla geflogen. Wir müssen unser Gepäck sorgfältig packen, Expeditionsmaterial, das auf dem Trekking nicht gebraucht wird muss separat verstaut werden. Dieses wird direkt mit Yaks und Träger ins EBC gebracht. Das persönliche Material, das wir in den nächsten zehn Tagen beim Anmarsch ins Base Camp benötigen, darf 20 Kilogramm nicht überschreiten. Dieses Gepäckstück werden wir jeden Abend wieder an unserem Übernachtungsplatz vorfinden. Zum Wandern trägt man nur einen kleinen Tagesrucksack – in meinem Fall ist das mein grosser Fotorucksack, insgesamt ca. 12 Kilogramm.

Lukla

Rochelle und VoldemarsLuklaFlug nach Lukla

Aus Sicherheitsgründen werden wir mit Helis und nicht mit den kleinen Propellerflugzeugen nach Lukla geflogen. Fast jedes Jahr stürzen 1-2 dieser Maschinen ab. Wenn man die kurze und abschüssige Piste in diesem Talkessel sieht, wird einem schon ein bisschen mulmig. Die Piloten haben bei jeder Landung nur einen Versuch. Durchstarten geht hier nicht, denn die Felswand ist bedrohlich nahe! Nach dem 40 minütigen Heliflug sitzen wir also hier in Lukla bei einem Zitronentee und warten bis die restlichen Teammitglieder auch eintreffen. Heute Nachmittag steht eine relativ kurze Strecke auf dem Programm. Der Pfad führt uns durch hübsch blühende Rhododendronwälder, immer leicht auf und ab, zum eingewöhnen genau das Richtige. Einige Male überqueren wir auf wackligen Hängebrücken reissende Flüsse.

Anreise nach Lukla

In der Regel nehmen Reisende, welche ins Everest Bascamp wollen das Flugzeug von Kathmandu aus. Der Flugplatz in Lukla wurde 1964 unter der Aufsicht von Edmund Hillary gebaut und nach dessen Tod im Jahre 2008 in Tenzing-Hillary-Airport umbenannt. Durch seine topographischen Gegebenheiten ist er einer der gefährlichsten Flugplätze der Welt. Wer es sich leisten kann nimmt also besser den Hubschrauber.

Eine weitere Möglichkeit der Anreise besteht mit einer Busfahrt von Kathmandu nach Jiri, einem Bergdorf in 1919 Meter Höhe. Für diese Fahrt muss ein ganzer Tag eingeplant werden. Von Jiri aus geht es nur noch zu Fuss weiter, und das Trekking nach Lukla dauert eine weitere Woche. Vor dem Bau des Flugplatzes in Lukla war dies der normale Anreiseweg ins Khumbugebiet.

 

Rhododendron

Wir sind nicht alleine unterwegs. Hunderte Trekkers marschieren talaufwärts und versuchen sich an die Höhe zu gewöhnen. Auch viele Träger, hier werden sie Porter genannt und Yakkarawanen müssen diese Route benutzen. Die beiden Letzteren haben übrigens immer Vortritt! Beim Kreuzen von Yaks sollte man immer bergseitig stehen, denn die unberechenbaren zottigen Tiere haben schon manchen Wanderer in die Tiefe geschupst!

Hängebrücke

Träger / Porter

PorterPorterPorterPorter

Aber die Porters faszinieren mich am meisten. Die eher schmächtig gebauten Nepalesen schleppen riesige Lasten Richtung Base Camp. Eine normale Last wiegt 30 Kilogramm. Für eine bestimmte Tagesstrecke verdient ein Porter 20 US Dollar. Manche packen sich die doppelte Last auf den Rücken und marschieren die doppelte Strecke, macht dann also 80 Dollar am Tag. Wir haben einen Träger getroffen, der mit einem 130 Kilogramm schweren Generator ins EBC marschiert ist – einfach unglaublich! Wenn man bedenkt, dass das Durchschnittsjahreseinkommen eines Nepalesen bei ca. 300 US Dollar liegt, können die Träger sehr gutes Geld verdienen. Die Frage ist natürlich, zu welchem Preis?

PorterPorterPorter

Nach gut drei Stunden Marsch taucht unser Übernachtungsort auf. Es ist eine hübsche Lodge im kleinen Dorf Monjo. Ich beziehe das einfache und ungeheizte Doppelzimmer mit Voldemars aus Lettland. Nach dem Schlafsack ausrollen zieht es auch mich in die Gaststube. In der Mitte des Raums befindet sich ein kleiner Ofen, der mit Yakmist befeuert wird – neben der Küche der einzige warme Ort im ganzen Haus. Grosse Teekannen stehen für uns durstigen Wanderer bereit. Trinken ist in dieser Höhe für die Akklimatisation etwas vom Wichtigsten. Sechs bis acht Liter sollte man sich pro Tag hinter die Kiemen giessen, was gar nicht so einfach ist und so werden wir uns an die abendlichen "Teeorgien" gewöhnen müssen!

Namche Bazar

Um 7.30 gibt’s Frühstück mit Porridge, Toast, Butter, Marmelade und Rührei. Vorher muss aber schon das persönliche Gepäck draussen deponiert werden, damit die Yaks beladen werden können. Um 8.00 Uhr ist dann für uns Abmarsch. In gut vier Stunden schaffen wir die 600 Höhenmeter nach Namche Bazar rauf. Namche ist mit Abstand der grösste Ort in der Gegend und liegt schon auf 3440 Meter über Meer. Der letzte steile Aufstieg ins Dorf lassen meine Beine und Lungen zu Schwerstarbeitern werden. In dieser Höhe ist es wichtig einfach sein eigenes Tempo zu  finden. Immer wieder überholen mich schwerst beladene Porters in Badesandalen. Ich kann aber den Macho in mir soweit zügeln, dass ich meinen gleichmässigen und langsamen Trott beibehalte! Manchmal aber, wenn ich ein tolles Fotosujet sehe und einen kleinen Zwischenspurt einlege, zerplatzt mein Kopf fast vor Überanstrengung und zwingt mich wieder vernünftiger zu sein!        
In Namche Bazar gibt es unzählige Lodges, Geschäfte, Restaurants und Shops. Hier kriegt man noch problemlos alles was das Trekker- oder Alpinistenherz begehrt. Und die Preise sind auch noch  ganz passabel. Von nun an steigen die Preise mit jedem Höhenmeter den wir machen.

Unterkünfte und Essen

Auf dem Trekking wird ausschliesslich in Lodges übernachtet. Dies sind einfache aber zweckmässige eingerichtete Berghütten. Meist sind sie mit Doppelzimmern, selten auch mit Einzelzimmern ausgestattet. Die Zimmer sind in der Regel unbeheizt und man schläft im eigenen Schlafsack. Die sanitären Anlagen werden gemeinsam benutzt. Wo Duschen vorhanden sind kann man diese gegen eine zusätzliche Gebühr benutzen. Es ist allerdings nicht garantiert, dass auch wirklich warmes Wasser vorhanden ist.

Der Speisesaal ist meist der einzige Ort der Lodge, welcher auch beheizt ist. Kein Wunder hält man sich meist dort auf, bis es an der Zeit ist ins Bett zu gehen. Die Lodges servieren auch Frühstück und Abendessen und oft kann man auch etwas an Zwischenverpflegung dort einkaufen. Es ist also nicht nötig fürs Trekking ein Zelt oder Lebensmittel mit sich zu führen. Aus der Speisekarte kann man sich meist à la Carte etwas Leckeres aus den lokalen Spezialitäten auswählen.

Für Übernachtung und Essen kommt man im Schnitt mit rund 15 Euro pro Tag problemlos durch, wobei die Preise natürlich mit der Höhe steigen.

Für Reisende mit höheren Ansprüchen sind auch sogenannte Luxuslodges verfügbar, wo ein Doppelzimmer je nach Saison bis zu 200 Euro kostet. Genaue Planung und Reservation ist bei diesen Unterkünften unbedingt erforderlich.

 

Namche Bazar

Kein Ausschlafen

Als Fotograf geht Ausschlafen gar nicht. Jeden Tag stehe ich um ca. 5.00 auf um das erste Licht einzufangen. Eine halbe Stunde oberhalb von Namche steht das kleine Kloster des Ortes. Still liegt es da und eine mystische Stimmung liegt über ihm und dem ganzen Tal. Die ersten Sonnenstrahlen schaffen es über die Himalayariesen und beleuchten die gegenüber liegende Gebirgskette. Einfach phänomenal!

Mönch in Namche Bazar

Gerade richtig zum ausgiebigen Frühstück bin ich zurück in der Lodge. Heute stehen gut 300 Höhenmeter auf dem Programm, die wir in dreieinhalb Stunden meistern. Kurz vor Khumjung kommen wir an einer grossen Stupa vorbei. Viele Gebetstafeln mit tibetischen Versen schmücken das Bauwerk. Ich stelle das Stativ auf und Filme mit meiner Videokamera während knapp zwei Stunden einen sogenannten Timelaps (Zeitraffer).

Stupa vor Khumjung

Nach dem Abendessen mit den leckeren Teigtaschen den sogenannten Momos verlasse ich die gemütliche Runde und mache meine allabendliche Fotopirsch. Ziemlich bedrohliche Wolken türmen sich auf – es sieht nach Gewitter aus. Einzelne Sonnenstrahlen finden den Weg durch die Wolken und lassen die Landschaft wie im Scheinwerferlicht erleuchten.

Mystische Klänge

In diese Wetterstimmung mischen sich fremde Klänge. Beim Näherkommen entpuppen sich diese als klösterliche Klänge. Doch das Kloster ist doch auf der anderen Seite des Dorfes! Ich folge den ungewöhnlichen Tönen bis zu einem Gebäude, wo sich das halbe Dorf versammelt hat. Im Garten des Hauses werde ich von den Dorfbewohnern zu einem Tee eingeladen und erfahre, dass sich heute hier 20 Mönche aus unterschiedlichen Klöstern zu einer speziellen Zeremonie getroffen haben. Ich werde durch den dunklen Stall über eine uralte baufällige Treppe in den oberen Stock geführt. Durch die Küche komme ich in den grossen Raum, wo die rot gewandeten Mönche im Schneidersitz vor sich hin murmeln. Die unwirkliche Szenerie wird mit Blasinstrumenten, Trommeln und Stielhandglocken unterstrichen. Die Chefin des Hauses sagt mir noch, dass ich nicht fotografieren sollte. Mir wird ein Stuhl zugewiesen und der traditionelle Tee lässt auch nicht lange auf sich warten. Staunend verfolge ich dieses für mich einmalige Schauspiel eine halbe Stunde. Es ist ein Kommen und Gehen und plötzlich nimmt ein Mönch neben  mir Platz, schaut auf meine Kameras und fragt mich warum ich nicht filme. Ich erzähle ihm vom Verbot. Mit einer Handbewegung wischt er dieses Argument vom Tisch und ermuntert mich zu filmen. Das lass ich mir natürlich nicht zweimal sagen. Aber es kommt wie es kommen muss. Nach einer weiteren Viertelstunde serviert die Chefin weiteren Tee und entdeckt meine Filmerei. Ich höre mir eine kleine Standpauke an, aber nach meiner Erklärung sind alle am Schmunzeln und zu guter Letzt gibt’s noch eine kleine Fotosession mit den kichernden Frauen in der Küche!

Fussball spielende Mönche

Am nächsten Tag geht’s zunächst 600 Höhenmeter steil runter, um dann auf der anderen Talseite wieder genau so weit rauf zu gehen. Unser Ziel ist Tengboche, das wir kurz nach Mittag erreichen. Wir geniessen in einer Lodge ein herrliches Yakcurry.

LodgeLodgekücheIn der Lodge

Das buddhistische Kloster in Tengboche ist das wichtigste kulturelle und religiöse Zentrum der Khumbu Region. Wir treffen den 25-jährigen Mönch Tshering Tashi, der seit 13 Jahren hier lebt. In der Hierarchiestufe steht er noch ganz am Anfang. Einen kleinen „Karriereschritt“ hat er aber schon gemacht. Für die nächsten drei Jahre teilt er sich mit einem Kollegen das Amt des „Keykeepers“. So ist er also fürs Auf- und Abschliessen des Klosters und das Inventar verantwortlich.

Tshering TashiKloster in TengocheTshering Tashi/Kloster Tengboche

Am Abend kraxle ich noch 300 Höhenmeter zu einem Aussichtspunkt mit einer kleinen Stupa rauf. Es ist sehr windig und die Gebetsfahnen flattern wie wild in der Luft. Es ist stark bewölkt und ich muss wohl auf tolle Aufnahmen verzichten. Enttäuscht packe ich meine Kameras ein und mache mich bereit zum Abstieg, als plötzlich die Wolken aufreissen. Für zwei Minuten geben sie die Sicht auf den majestätischen Mount Everest und die umliegenden Berge frei! Nun muss ich mich aber beeilen, denn es ist schon langsam am eindunkeln. Vor dem Kloster wird Fussball gespielt - Mönche gegen Touristen. Auch Tashi ist mit vollem Einsatz dabei! In seinem roten Mönchsgewand, das er wegen der Kälte mit einer dicken Daunenjacke ergänzt hat, gibt er alles. Lachend erzählt er mir, dass immer die Mönche gewinnen, da den Touristen auf dieser Höhe schnell mal die Puste ausgeht! Nach weiteren zwanzig Minuten erreiche ich die Unterkunft in Deboche, wo wir einen Ruhetag verbringen.

Viel Arbeit für die Expeditionsärztin

Am übernächsten Tag  setzen wir unser Trekking fort. Die letzten Bäume verschwinden und die Landschaft wird immer karger. Praktisch alle Teilnehmer haben nun einige Mühe und dementsprechend ist das Tempo sehr gemächlich. Nach fünf nicht endenden Stunden und 400 Höhenmetern erreichen wir Pheriche auf schon 4240 Meter über Meer. Jen, die britische Ärztin hat alle Hände voll zu tun. Viele klagen über Bauchkrämpfe, Dünnpfiff, Übelkeit und Kopfschmerzen. Zum Glück ziehen wir hier einen weiteren Ruhetag ein, wo wir uns pflegen und erholen können! Auch Bergführer Woody, der schon neunmal auf dem Everest war, klagt über Bauchprobleme. Mich hat es glücklicherweise nicht so heftig erwischt und so kann ich den Ruhetag recht gut geniessen. Ich mache eine kleine Wanderung auf den Hausberg von Pheriche und kann herrliche Aufnahmen von einem Adler machen.

Adler

Lobuche Base Camp

Alle Expeditionsteilnehmer haben sich soweit erholt, dass sie die Etappe ins Lobuche Base Camp unter die Füsse nehmen können. Zuerst geht es sehr angenehm nur leicht steigend nach hinten ins Tal. Doch wir wissen, dass uns heute fast 700 Höhenmeter bevorstehen. Das Gelände wird immer felsiger. Nach drei Stunden stehen wir vor einem sehr steilen Geröllfeld, das wir bezwingen müssen. In langen Serpentinen schlängelt sich der Pfad aufwärts. Neben Dutzenden von Trekkern sind auch viele Porters und Yaks unterwegs. Wir quälen uns dieses "Pièce de Resistance" rauf. Oben treffen wir auf unzählige Gedenkstätten von Bergsteigern, die das Abenteuer Everest mit ihrem Leben bezahlt haben.

Gedenkstätte

So mancher unserer Everestaspiranten werden bei diesem Anblick nachdenklich. Kurz darauf erreichen wir unser Zeltlager, das Lobuche Base Camp, das exklusiv für unser Himex Team aufgebaut worden ist.

Lobuche Base Camp

Nacht im Lobuche Base Camp

Das Everest- und Nuptseteam wird später dieses Lager wieder benützen um die Aklimatisation mit der Besteigung des Lobuche fortzusetzen. Jeder von uns kriegt ein Einzelzelt und wir richten uns so gut wie es geht gemütlich ein.

Unser Team

David Tait ist immer einer der ersten, der am Etappenort ankommt. Kaum vor Ort sitzt er schon vor dem Notebook, oder hat sein Sattelitentelefon am Ohr. David ist ein erfolgreicher Banker aus London, der mit seinen Everest Expeditionen Geld für sein Hilfswerk für missbrauchte Kinder sammelt. Schon viermal hat er den höchsten Berg der Welt erklommen. Er wirkt häufig sehr angespannt, doch wenn er von seinem Lebenswerk erzählt taut er auf! Ich benutze den weiteren Ruhetag um einige Interviews zu machen. Da ist zum Beispiel Rochelle aus Neuseeland, die fast bei jeder Temperatur mit kurzen Hosen rumläuft. Auch wegen ihrer Körpergrösse hat sie schnell mal den Übernamen "Shorty" bekommen. Vor einem Jahr hat sie ihren Mann verloren. Zusammen wollten sie den Everest bezwingen. Nun versucht Rochelle, mit der Asche ihres Mannes im Gepäck den höchsten Gipfel doch noch "gemeinsam" zu erreichen. So hat jeder der Expeditionsteilnehmer einen anderen Grund hier zu sein. Auch Evelyne Binsack ist bei uns im Team.

Am 23. Mai 2001 erreichte Evelyne Binsack als erste Schweizerin den Gipfel des Mt. Everest.
Hier ist ihre Geschichte: Schritte an der Grenze: Die erste Schweizerin auf dem Mount Everest

Sie begleite ich filmisch und fotografisch bis ins EBC. Zum zweiten Mal probiert sie den Berg aller Berge für ihr Filmprojekt "ÜberLebensWille" zu besteigen. Sie will mit ihren Geschichten ein bisschen hinter die Kulissen schauen und vor allem die verschiedenen Menschen am Berg in den Vordergrund rücken. Der junge Mexikaner Javier, der deutsche Herbert und mein Zimmergenosse Voldemars, zum Beispiel, sind keine Profis. Sie erfüllen sich einfach einen lang gehegten Traum.

Gorakshep

Die letzte Etappe bis ins EBC ist die Anstrengenste und Längste des ganzen Trekkings. Heute kämpfe ich das erste Mal mit starken Kopfschmerzen. Das erste Aspirin  meines Lebens schafft ein bisschen Erleichterung. In Gorakshep, einem gottverlassenen Kaff machen wir einen Lunchhalt. Die meisten Expeditionsteilnehmer nutzen hier die letzte Gelegenheit einer schnellen Internetverbindung und schicken Mails in alle Welt. Die letzten zwei Stunden des Marsches wollen nicht zu Ende gehen. Schier endlos wandern wir über die Gletschermorräne und die kleinen farbigen Zelte des EBC wollen und wollen nicht näher kommen!

Everest Base Camp

Everest Base CampEverest Base CampBase Camp

Glücklicherweise liegt unser Camp ganz unten und so erreichen wir dieses am späten Nachmittag. Wir werden vom gesamten Staff begrüsst. Jeder kriegt wieder ein Einzelzelt. Nach dem Einrichten werden wir von Russell Bryce durch die Zeltstadt geführt. Ich komme aus dem Staunen nicht mehr raus! An alles ist gedacht worden! Vom geheizten Essenszelt über Dusch- und Toilettenzelt, Küchenzelt und Lagerzelt ist alles vorhanden. Der Höhepunkt ist aber der "Tigerdome". Das ist ein riesiges Kuppelzelt mit Teppich, Liegestühlen, TV und Bar.

Tiger DomeTigerdome

Diese  Infrastruktur wird jeden Frühling aufs Neue auf dem Khumbugletscher aufgebaut. In mühsamer Handarbeit haben die Einheimischen mit Steinen kleine Terrassierungen gebaut, damit die Zelte auf dem Eis einigermassen gerade stehen. Laufend muss aber nachgebessert werden, denn wir befinden uns auf einem fliessenden Gletscher! Ich statte dem Küchenzelt einen Besuch ab. Bob, unser britischer Küchenchef stammt aus Manchester und hat schon für die Queen gekocht! Sein Reich ist top eingerichtet und er wird uns mit seinen Gehilfen richtig kulinarisch verwöhnen. Für Bob ist das Kochen auf dieser Höhe (5267m) eine grosse Herausforderung. Alles dauert länger als auf Meereshöhe. Um zum Beispiel ein hartes Ei zu kochen benötigt man hier oben anstatt sechs ganze 9 Minuten!

Küchenchef BobKüchenchef Bob

Fast 90 Minuten benötige ich um durchs ganze Base Camp zu laufen! Über Kilometer verstreut hat sich jedes Team einen möglichst optimalen Platz ausgesucht. Ohne Einladung sollte man es aber unterlassen in ein fremdes Camp zu marschieren – das wird gar nicht gerne gesehen. Der Grund ist vor allem ein hygienischer. Man versucht einfach sein eigenes Camp so sauber und gesund wie nur irgendwie möglich zu halten. Diesen Frühling jährt sich die Erstbesteigung des Everests durch Sir Edmund Hillary und Tenzing Norgay zum 60. Mal. Aus diesem Grunde scheinen noch mehr Expeditionen als sonst am Berg zu sein. Zwischen acht-und neunhundert Menschen bevölkern diese temporäre Zeltstadt.
Die Nächte im Base Camp sind bitter kalt, meistens so um die minus 20 Grad. Und so freue ich mich jeden Morgen auf Betty. Natürlich haben sich alle männlichen Expeditionsteilnehmer, ich inklusive, auf eine nepalesische Schönheit gefreut...aber "Betty" ist  nix anderes als "Bed Tea", also den Tee an den Schlafsack serviert zu bekommen! Nach vier Tagen im Everest Base Camp verabschiede ich mich von Betty und allen Alpinisten. Diese werden weiter an ihrer Akklimatisation  arbeiten. Und dann heisst es warten, warten auf ein genug grosses Zeitfenster mit gutem Wetter, um einen Gipfelversuch wagen zu können.

Yaks im EBC

Everest Base Camp

Everest Base Camp

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Weitere Bilder finden sie in der Everest-Trekking-Galerie!